Esther Grau

inspired by dreams

Buchextrakt (6) Tony Hawks: Mit dem Kühlschrank durch Irland

März16

Wozu verlorene Wetten und die Lust, sich auf ein Abenteuer einzulassen, führen können, beweist allein der Titel des Buches. Der Engländer Tony Hawks macht sich ohne große Vorbereitung, aber mit Hilfe der irischen Radiosendung Gerry Ryan Show auf eine Reise rund um Irland, per Anhalter immer an der Küste entlang. Mit Rucksack und Kühlschrank. Er begegnet exzentrischen, aber meist freundlichen Zeitgenossen und lernt viele lokale Gepflogenheiten kennen:

„Bald wandte sich die Unterhaltung den maritimen Traditionen der örtlichen Fischer zu, von denen mich einige Aspekte stark beunruhigten. Vor vielen hundert Jahren hatten die Fischer in dieser Gegen den schönen Brauch eingeführt, niemanden zu retten, der ins Wasser fiel. Das hatte nicht mit der kleinlichen Vorstellung ‚Du bist selbst reingefallen, jetzt sieh zu, wie du selbst wieder rauskommst’ zu tun, sondern mit dem Aberglauben, dass jede Begegnung mit der See vorherbestimmt sei und jeder Rettungsversuch eine Behinderung des Schicksals und des natürlichen Gangs der Dinge darstelle und nur dazu führen könne, dass die Tragödie einen selbst oder die eigene Familie ereilte. Wenn also ein Seemann Pech hatte und über Bord fiel, eilten ihm die Kollegen nicht etwa zu Hilfe, sondern stellten sich vermutlich an die Bordwand und riefen ihm zu: „Wirf uns deine Uhr herüber!“ oder „Kann ich deinen Esstisch haben?“ (S. 112)

Seinen Trip hält der „Fridge Man“ selbst abwechselnd für eine Schnapsidee und die coolste Sache der Welt. Das hängt oft stark vom Wetter ab. Denn es regnet oft. Sehr oft. Aber auch hierbei lässt ihn die irische Lebensweisheit nicht im Stich:

„’Wenn man die Berge sieht, regnet es bald. Sieht man sie nicht, regnet es längst.’“ (S. 86)

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