Unter diesem paradoxen Motto steht eine besondere Kunst: Das Züchten von Bonsaipotatoes.
Unter Bonsai versteht man im Westen das Heranziehen von Miniaturbäumen. Dabei geht es bei der fernöstlichen Kunst um viel mehr als um ästhetische Gartenkunst: Die Harmonie zwischen Mensch und Natur ist entscheidend. Mit der Pflanze wird auch der eigene Geist kultiviert.
Kann eine Kartoffel den Weg zum inneren Frieden zeigen?
Warum nicht, meint Hendrik Bajek, der europäische Pionier auf dem Gebiet der Bonsaipotatoes. Das Prinzip gleicht dem „normalen“ Bonsai. Kartoffeln sind lediglich pflegeleichter und zeigen schneller Erfolge.
Das ultimative und einzige Lieblingsbuch zu benennen, fällt mir schwer, aber einer meiner Favoriten ist sicherlich Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Ein Lieblingsbuch, nicht wegen der Politik, sondern wegen der Philosophie und Poetik.
Kundera lässt uns tief in die Seelen seiner Charaktere blicken, bis hinein in ihre Träume. Er schafft Figuren, so vielschichtig wie echte menschliche Wesen. Gleichzeitig zeichnet er die allgemeine und zeitlose Dimension des Daseins mit feiner Feder. So ziehen sich dasLeichteund das Schwere, das Helle und das Dunkle als Leitmotive durch diese Liebesgeschichte, die so viel mehr ist als die bloße Begegnung zweier Charaktere.
“Sie versuchte sich durch ihren Körper hindurch zu sehen. Deshalb stand sie so oft vor dem Spiegel. Da sie fürchtete, dabei von der Mutter ertappt zu werden, hatten ihre Blicke in den Spiegel den Charakter eines heimlichen Lasters.
Nicht die Eitelkeit zog sie vor den Spiegel, sondern die Verwunderung darüber, das eigene Ich zu sehen. Sie vergaß, dass sie auf das Armaturenbrett ihrer Körperfunktionen schaute. Sie glaubte, ihre Seele zu sehen, die sich in ihren Gesichtszügen offenbarte. Sie vergaß, dass die Nase nur das Ende des Luftschlauches zur Lunge ist, und sah darin einen getreuen Ausdruck ihres Charakters.
Sie betrachtete sich lang, und manchmal störte es sie, die Züge der Mutter in ihrem Gesicht wiederzufinden. Deshalb betrachtete sie sich noch beharrlicher und strengte ihren Willen an, um die Züge der Mutter wegzudenken, sie endgültig auszulöschen. In ihrem Gesicht sollte nur das übrigbleiben, was sie selber war. Gelang es ihr, so war dies ein berauschender Moment: Die Seele stieg an die Oberfläche des Körpers wie die Mannschaft eines Schiffes, die aus dem Schiffsbauch stürmt, das ganze Deck überschwemmt, zum Himmel winkt und singt.” (S. 42-43)
Der Dokumentarfilm Space Tourists erzählt vom Erwachen des Weltraumtourismus` und begleitet die ersten Menschen ins All, die keine ausgebildeten Astronauten sind. Zum Beispiel Anousheh Ansari, die erste Frau, die privat ins Weltall geflogen ist.
Wenn Anousheh Ansari für den typischen Weltraumtouristen der Zukunft steht, wird eines klar: Space Tourists sind keine Snobs, die ins All reisen, weil sie sonst schon alles erlebt haben. Diese kleine Frau mit dem großen Lachen, der ansteckenden Begeisterung und dem Willen, von klein auf an ihrem Traum festzuhalten, beeindruckt tief. Sie zitiert Gandhi, bevor sie in die Rakete steigt und erzählt, dass sie auch mit einem One-Way-Ticket zur International Space Station (ISS) geflogen wäre. Das ist Leidenschaft.
Das alltägliche Leben an Bord der ISS, soweit man es überhaupt alltäglich nennen darf, zeigt sich ebenso umständlich wie lustig. In der Schwerelosigkeit spielen auch Erwachsene mit dem Essen und selbst das Staubsaugen wirkt wie ein großer Spaß: Man stelle sich Anousheh Ansari vor, die rittlings auf einem fliegenden Staubsauger sitzt und dabei sehr an Harry Potter auf seinem Besen erinnert.
Die Hauptrolle in diesem Film spielt jedoch eine andere. Die Aufnahmen von Mutter Erde überstrahlen mit ihrer Schönheit und Präsenz alles andere. Was für ein prächtiger Heimatplanet! Und wie seltsam, dass wir erst hoch hinaus müssen, um uns ihr näher zu fühlen.
Auf ihrem Spaceblog kann man detailliert nachlesen, wie Anousheh Ansari die 8 Tage im All erlebt hat. Hier gibt es die deutsche Übersetzung (scrollen!).
Über ihren persönlichen Ausflug hinaus versteht sich Ansari als Wegbereiterin des Weltraumtourismus. Um die Entwicklung der privaten Raumfahrt zu fördern, unterstützte ihre Familie den Ansari X-Prize, den2004 das SpaceShip One gewann. Als erstes privat finanziertes Raumschiff für drei Personen flog es ins All, und zwar zweimal innerhalb von zwei Wochen.
Aktuell ist übrigens der millionenschwere Google Lunar X-Prize ausgeschrieben für das erste private Team, das einen Roboter sicher auf dem Mond landet. Er soll mindestens 500 Meter über die Mondoberfläche flitzen, während er Daten, Bilder und Videos an die Erde sendet.
Space Touristsbeleuchtet auch die „dunkle“ Seite der Raketenflüge: Beträchtliche Mengen von Raketenschrott landen wieder auf der Erde, zum Teil in besiedelten Gebieten und vor allem mit bedenklichen Chemikalien belastet.
Die betroffene Bevölkerung sieht dennoch überwiegend die positive Seite der „Geschenke des Himmels“: Sie handeln mit den hochwertigen Materialien oder klöppeln sich selbst neues Ackergerät daraus zusammen.
Der Kreis schließt sich mit dem einfachen Hirten, der fern jeder Zivilisation seine Schafe hütet. Ein Bild, so alt wie Jahrtausende. Mit einem Unterschied: Das Dach seines Verschlages hat dieser Schäfer aus einer Rakete recycelt.
Was tun, wenn das Gegenüber Blech redet? Bei Robotern ist das nicht so unwahrscheinlich. Wer Missverständnissen vorbeugen möchte, lernt am besten ROILA. Die Kunstsprache wurde entwickelt, um die Kommunikation mit Robotern zu verbessern, daher auch der Name: Robot Interaction Language (ROILA).
Sprachwissenschaftlich ein spannendes Projekt, weil es mit minimalen Voraussetzungen eine komplexe Kommunikationsbasis erschaffen will. (Das Sprachsystem wird immer noch verfeinert.)
Der Wortschatz wurde in Anlehnung an ein vereinfachtes Englisch (Basic English) aus lediglich 850 Vokabeln mit Hilfe eines Computeralgorithmus’ geschaffen. Dieser folgt einem effizienten Prinzip: Je häufiger die Vokabelverwendung, desto kürzer das zugeteilte Wort. Für schnelleres Sprechen und Verstehen.
Die Grammatik ist ebenso ökonomisch, sie funktioniert ohne Ausnahmen regelhaft. Es gibt Nomen, Verben, Adjektive und Adverbien, aber weder Fälle noch Geschlechter (mit Ausnahme der Pronomen sie und er). Um grammatische Kategorien wie Plural oder Zeiten zu kennzeichnen, werden separate Wörter ergänzt, sodass alle anderen Wörter unverändert bleiben.
Beispiel:
I am walking to the house Pito fosit bubas (wörtlich: Ich gehen Haus)
I walked to the house Pito fosit jifi bubas (wörtlich: Ich gehen <Wortmarker für Vergangenheit> Haus)
Entsprechend erscheint „jifi“ in allen Sätzen, die in der Vergangenheit stehen.
Morphiumbeflügelt erkundet der Protagonist die (Meta-)Physik des Todes. Denn der Hauptdarsteller ist ein sterbender Schauspieler im Todestrakt eines Krankenhauses, von seinen Zimmergenossen lapidar “Basislager” genannt, “weil uns das große Wagnis noch bevorstand”.
“Ist man sein ganzes Leben Freidenker gewesen, sollte man so viel Selbstachtung haben, daran festzuhalten. Sie können für sich eine fröhliche Ewigkeit irgendwo in ferner Zukunft erwarten. Aber ich, ich stehe hier auf der Schwelle zur großen Nacht und kann einfach nicht an eine andere Ewigkeit glauben. Für mich führen diese letzten Tage oder Wochen dazu, dass alles endet. Das einzige Leben ist vorbei. Da wägt man seine Worte ab. Ist man gläubig wie Sie, verliert der Tod seine Tragik. Er wird banal. Nur eine Passkontrolle. Für mich lautet die frohe Botschaft anders: Nur wer frei von Illusionen lebt, ist wirklich frei.” (S. 26)
Sehr unbedarft mit der Lektüre begonnen, nur mit einer unbestimmt positiven Assoziation zu Autorin und Titel im Hinterkopf mitten ins Lesevergnügen gesprungen. Bei den ersten Zeilen gedacht, dieser unbekümmerte Schreibstil, wie man denkt und spricht – das ist bestimmt eine Bloggerin (!). Ein paar ungewohnte Redewendungen für Soziolekt gehalten, bis ich über das “Grammophon” stolperte und doch mal das Erscheinungsjahr nachgeschlagen habe. 1932. Oha?!
Umso interessierter weitergelesen und mich an der Paradoxie gefreut, dass ein Buch gleichzeitig ein anschauliches Zeitzeugnis ablegen und in seinem Kern so modern sein kann.
Das kunstseidene Mädchen ist eine junge, emanzipierte und lebenshungrige Frau, die sich in einer armen, arbeitslosen Zeit mit allen Mitteln durchschlägt, die einer mittellosen Frau so zur Verfügung stehen.
“Ich bin in Berlin. Seit ein paar Tagen. Mit einer Nachtfahrt und noch neunzig Mark übrig. Damit muss ich leben, bis sich mir Geldquellen bieten. Ich habe Maßloses erlebt. Berlin senkte sich auf mich wie eine Steppdecke mit feurigen Blumen. Der Westen ist vornehm mit hochprozentigem Licht – wie fabelhafte Steine ganz teuer und mit so gestempelter Einfassung. Wir haben hier ganz übermäßige Lichtreklame. Um mich war ein Gefunkel. Und ich mit dem Feh. Und schicke Männer wie Mädchenhändler, ohne dass sie gerade mit Mädchen handeln, was es ja nicht mehr gibt – aber sie sehen danach aus, weil sie es tun würden, wann was bei rauskäme. Sehr viel glänzende schwarze Haare und Nachtaugen so tief im Kopf. Aufregend. Auf dem Kurfürstendamm sind viele Frauen. Die gehen nur. Sie haben gleiche Gesichter und viel Maulwurfpelze – also nicht ganz erste Klasse – aber doch schick – so mit hochmütigen Beinen und viel Hauch um sich. Es gibt eine Untergrundbahn, die ist wie ein beleuchteter Sarg auf Schienen – unter der Erde und muffig, und man wird gequetscht. Damit fahre ich. Es ist sehr interessant und geht schnell.” (S. 67)