Esther Grau

inspired by dreams

“Ich habe jeden Tag gemalt”: Ferdinand Hodler in der Bundeskunsthalle Bonn

Januar20

Zum diesjährigen Hodlerjahr zeigt die Bundeskunsthalle Bonn eine Werkschau des Schweizer Nationalmalers Ferdinand Hodler (1853-1918), einem der wichtigsten Maler der frühen Moderne. Die Ausstellung folgt wichtigen Etappen in Hodlers Leben – angefangen bei seinen Lehrjahren über die Zeit erster Fortschritte bis zu den internationalen Erfolgen und der Entwicklung seiner monumentalen Malweise. Monumentalität galt um 1900 als Inbegriff der Moderne.

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Hodler ließ die Impressionisten hinter sich, um eigene Stilmittel und Ausdrucksformen zu entwickeln. Charakteristisch ist die Ausbildung eines spezifischen Kompositionsprinzips, Parallelismus genannt, das von der symmetrischen Wiederholung gleicher Formen lebt. Überlebensgroße Gestalten, Wolken oder Linien rhythmisieren so den Raum. Hodlers Parallelismus bildet dabei nicht nur ein formales Prinzip, sondern symbolisiert die Gesetze der Natur, ihre Wiederholung und harmonische Ordnung. Diese Form der Naturverehrung stellt in Hodlers symbolistischen Gemälden ein Leitmotiv dar.

 

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Bekannt wurde Hodler vor allem für seine zahlreichen Gemälde Schweizer Landschaften. Der Thuner See gilt als eine seiner liebsten und entsprechend häufig gemalten Ansichten. Anekdote am Rande: Angeblich sah er dabei auch mal kopfüber durch die Beine, um die Farbe noch intensiver wahrzunehmen.

Hodler verdiente sein Geld immer wieder auch als Porträtmaler. Daneben fertigte er von sich selbst zahlreiche Porträts an, die seine Wandlung durch die verschiedenen Lebensalter veranschaulichen.

Die Ausstellung in der Bundeskunsthalle (noch bis 28.1.18) ist insbesondere mit Unterstützung eines Audioguides ein Genuss. Für mich umso mehr, da Hodlers Bilder in meinem neuen Roman „Die wundersame Erkundung der Farbe Moll“, der im September erscheint, eine wichtige Rolle spielen.

 

Inspiration der Nacht

Oktober5

Wie findet eine Schriftstellerin ihre Geschichten?

Dieser Frage geht das Tanzstück „Nightbook“ von Stephan Thoss nach, das das Nationaltheater Mannheim derzeit in neuer Bearbeitung zeigt. Das Stück spielt dabei tänzerisch und per Videoprojektion auf surrealistische Bilder des Malers René Magritte an.  So eröffnet sich ein Raum der Inspiration, in dem es zunächst um den Tanz mit dem eigenen Schatten geht, bis sich die Ideen und Geschichten auftun. Fantasie und Wirklichkeit – zunächst strikt getrennt – vermischen sich. Jetzt gilt es, sich den inneren Bildern zu stellen, um aus ihrem Reichtum zu schöpfen. Ein traumartiger Tanz mit Sogwirkung.

Der Tanzabend „Gesicht der Nacht zeigt daneben noch ein weiteres Werk. Das Tanzstück „var“ des Isländers Frank Fannar Pedersen, Tänzer und Choreograf, dreht sich um das, was „war“, d. h. um die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Wie sehr sie die Bewegungsfreiheit einschränken kann, demonstrieren die Tänzer anschaulich anhand normierter, beinahe roboterartiger Bewegungen. Wagt es einer, sich freizutanzen, muss er Gehversuche im Unbekannten riskieren, um schließlich neue Schritte zu gehen. Für diesen Weg in die Gegenwart kreiert das Stück eine ganz eigene Poesie der Schuhe.

Aufführungen finden in diesem Jahr noch am 20. und 29. Oktober statt.

Übrigens hat das Nationaltheater Mannheim auch Loriots „Der Ring an einem Abend wiederaufgenommen, über den ich bereits hier einmal begeistert geschrieben habe. Ein Genuss nicht nur für Wagnerianer, sondern insbesondere für alle, die Wagners Ring komprimiert und ohne unnötigen Ernst kennenlernen möchten. Vorstellungen gibt es noch am 8. Oktober und 10. November.

 

 

Das Wunderbare

Juli24

„Das Wunderbare – Dimensionen eines Phänomens in Kunst und Kultur” ist das Thema einer aktuellen Konferenz in Saarbrücken.

Seherische Ahnungen, Wahrträume und Doppelgänger-Begegnungen haben die Droste zeitlebens begleitet. Alles Phänomene, die in Kunst und Kultur eine große Rolle spielen, aber auch zum Alltag gehören. Nach den Umfragen der Parapsychologen sind solche verbreiteter, als man meinen möchte. Das Paranormale ist damit soziologisch betrachtet durchaus auch das Normale. Nicht zuletzt darum erscheint das Wunderbare in Literatur, Film, Theater, Religion und Kunst immer wieder neu.

Die Konferenz an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken ist offen für alle und kostenlos. Wer also spontan das Wunderbare suchen möchte, findet hier alle Informationen (schon der Reader lohnt sich!).

Aber Achtung: Der Weg zur „wunderbaren“ Konferenz führt am Mülldepo der Uni vorbei…

Zum Dirigieren ins Mendelssohn-Haus

Januar6

Das neue Jahr fängt gut an, nämlich gleich mit einem Knaller: Ich habe Mendelssohns Reformations-Sinfonie dirigiert. Das Beste daran: Ihr könnt das auch, wenn ihr das Mendelssohn-Haus in Leipzig besucht.

Das Mendelssohn-Haus liegt ganz in der Nähe des Gewandhauses und erinnert an das Leben des Pianisten und Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Sein museumspädagogisches Highlight ist das sogenannte Effektorium, das in dem altehrwürdigen Haus hypermodern anmutet.

Im Effektorium erhält man die Gelegenheit, an einem Dirigentenpult mit eingebautem Touchscreen diverse Werke Mendelssohns zu dirigieren. Der Clou dabei ist, dass die Bewegungen des analogen Taktstocks von Sensoren erkannt werden und so tatsächlich das Spiel der Musik beeinflussen können: Je nach Bewegungsgeschwindigkeit spielen die Musiker schneller oder langsamer.

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Besagte Musiker sieht man übrigens im Raum vor sich, und zwar nicht als symbolische Pappkameraden, sondern als Lautsprecherköpfe auf schmalen Säulen, die das jeweilige Instrument bezeichnen. Je nach Stück steht man also ganz plastisch einem Orchester mit den verschiedenen Streichern, Bläsern etc. gegenüber. Diese Inszenierung gibt dem Ganzen einen äußerst futuristischen Eindruck. Spontan hat es mich an den Computerraum mit den Simulationseinheiten aus dem Film „13th Floor“ erinnert. Jedenfalls befindet man sich gefühlsmäßig quasi gleichzeitig in Zukunft und Vergangenheit, sobald das Effektorium aktiv ist.

Felix Mendelssohn Bartholdy
In Hamburg geboren und in Berlin aufgewachsen, erhielt er früh zusammen mit seiner Schwester Klavierunterricht. Fanny und Felix verband nämlich nicht nur eine innige Geschwisterliebe, sondern ihr musikalisches Ausnahmetalent.
Mit 9 Jahren gab Felix das erste Konzert, bald darauf studierte er an der renommierten Sing-Akademie Berlin Kirchenmusik. Ab 1820 begann er zu komponieren. Es folgte Jahre mit ausgedehnten Studien- und Konzertreisen durch ganz Europa.

In Leipzig leitete er ab 1835 die Gewandhauskonzerte und trug nicht unerheblich zu deren Ruf bei. Vor allem aber ist es Mendelssohns Verdienst, die Werke des damals recht vergessenen Johann Sebastian Bach wieder auszugraben und zur Aufführung zu bringen.
Mendelssohn-Haus
In der unteren Etage informiert eine kleine Ausstellung über das Leben und Wirken des Komponisten. Durch das historische Treppenhaus gelang man anschließend in die Beletage, wo im 1. Stock die ehemaligen Wohnräume der Familie Mendelssohn liegen. Hier verbrachte der Komponist seine letzten Lebensjahre und starb auch dort. Die Gestaltung der Wohnung wurde nach Bildern des Originals rekonstruiert und teilweise wieder mit originalem Mobiliar eingerichtet.
Schon damals gehörte in Musiksalon zur Wohnung, in dem die Familie Hauskonzerte veranstaltete. Noch heute werden hier sonntags solche Konzerte zur Aufführung gebracht. Neben Noten und Briefen des Komponisten sind auch seine Aquarelle zu sehen, in denen er seine vielen Reiseimpressionen festgehalten hat. Sie belegen bildhaft den Schluss des Museums, dass Mendelssohn dank seiner ausgedehnten Reisen als wahrer Europäer gelten darf.

Die kleine Sonderausstellung zur Salonkunst im Gartenpavillon ist zwar gerade vorbei, aber die Dauerausstellung im Haupthaus lohnt sich das ganze Jahr über und eignet sich – den Reaktionen anderer Besucher nach zu urteilen – auch hervorragend für Kinder. Schließlich gibt es viele Knöpfe zu drücken und eigenhändig den Taktstock zu schwingen.

Geschenk mit Gänsehaut: Kunst für alle an der Oper Leipzig

September22

Die Oper Leipzig lud zu Beginn der Spielzeit 2014/15 zum Tag der offenen Tür.

Tatsächlich waren die Türen so offen und voller Menschen, dass ich zunächst nicht einmal bis ins Foyer kam. Im Vorraum probte bereits das Ballet. An Stangen, die zwischen den Besuchern standen, hoben und senkten sich die Glieder, während der erste Ballettmeister unter launigen Bemerkungen einzelne Ensemblemitglieder vorstellte. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer (39 Mitglieder aus 21 Nationen!) gaben acht, niemanden mit den Zehenspitzen den Kaffee aus der Hand zu stupsen.

Da wusste ich noch nicht, dass sie mir Gänsehaut machen konnten.

Ich bummelte vorerst weiter, drängte mich nun doch in das Foyer mit seinen Info- und Unterhaltungsständen (Schminken, Buttons, Quiz, Sponsoren). Als Gegengewicht zu den geistigen Genüsse der Hochkultur  lud ein großes Kuchenbuffet zur Stärkung ein.

Als ich aus dem bunten Treiben im Foyer endlich zum Zuschauerschaal hinaufging, erlebte ich auf der Bühne leider nur noch einen Teil der Vorschau auf die neue Spielzeit. Ein paar Szenen, dann kam schon der Kinderchor und nach einem offenen Umbau sah ich das Ballett wieder. Im Schnelldurchlauf wurde das Training vorführt und erklärt, vom Aufwärmen bis zu den kraftvollen Sprüngen durch den Raum, standesgemäß am Klavier begleitet.

Oper Leipzig

Kostproben ganzer Szenen zeigten anschließend: Es war die Art Ballett, die auch jedem Vorurteilsträger klar machte, dass Männer dort nicht in affigen Strumpfhosen oder Püppchen in Tutus herumhüpfen. Das Stück Decadance sprühte vor Kraft und Dynamik, hier ging es um Power und Energie. Einen kleinen Einblick gibt es hier.

Musik, Rhythmus und Tanz versetzten den Zuschauerraum so in Begeisterung, dass man am liebsten mitgetanzt hätte.

Und dann passierte genau das.

Die Tänzer verteilten sich im Publikum und brachten je  einen Besucher auf die Bühne, um mit ihm gemeinsam zu improvisieren.  Paare rockten über die Bühne, zuweilen zierliche Tänzerinnen im Reigen mit älteren Herren und muskulöse Tänzer, die gesetzte Damen auf Händen trugen. Wirken solche Aktionen normalerweise eher peinlich und bemüht, so gelang hier das Gegenteil: Die Grenze zwischen Performance und Publikum fiel, beide verschmolzen zu einer Einheit, einem vibrierenden Ereignis, das die Freude am Tanz, am Puls des Lebendigseins feierte. Alle, alle im Saal waren Teil des Geschehens, Gänsehaut und good vibrations bis auf dem letzten Platz, es hatten sich sämtliche, auch die inneren Türen geöffnet.

Um 18.00 Uhr rundete ein Konzert des Gewandhausorchesters das Programm mit einem konzertanten Querschnitt der kommenden  Saison ab. Der Andrang war so groß, dass auch hier ausnahmsweise alle Türen zum Zuschauersaal geöffnet wurden. Eine schöne Geste.

Nach der Tannhäuser-Ouvertüre folgten verschiedene Operettenarien, unter anderem von einem „lyrischen“ (!) Tenor. Zwischendurch stimmte das Publikum über den neuen Klingelton des Opernhauses ab. Das „schmissige“ Finale ging mit dem „Mambo“ aus West Side Story noch einmal unter die Haut.

Als ich das Opernhaus verließ, tauchte ich nur langsam aus der Parallelwelt der Bühne auf, in die ich für einen halben Tag verschwunden war. Den Veranstaltern gelang vielleicht mehr, als sie sich erhofften: Sie zeigten sich transparent, unterhielten gut mit ihren Künsten, luden zum Mitmachen ein und begeisterten alle Altersklassen. Der Ticketrabatt wird hoffentlich sein Übriges getan haben. Besser kann ein Tag der offenen Tür kaum laufen.

Am Ende verließ ich das Opernhaus und lief strahlend mitten in den Gewitterregen. Ich fühlte mich sehr beschenkt.

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Whole

September14

Auf CC für englische Untertitel klicken.

Edgar Allan Poe: A dream within a dream

September7

Leipziger Spinnerei – Winterrundgang

Januar12

From cotton to culture: Die Galerien und Ateliers auf dem Gelände der alten Baumwollspinnerei in Leipzig haben zum traditionellen Winterrundgang eingeladen (Wortspiele mit kreativer Spinnerei hier bitte selbst einfügen).

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Großformatige, atmosphärisch dichte Bilder äußerer und innerer Landschaften zeigt die Ausstellung Terra von Tilo Baumgärtel.

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Vertraut uns! heißt die Ausstellung von Thomas Sommer und Sebastian Neeb in der Maerzgalerie.

Neben Objektkunst machen Neebs Nasenvariationen Spaß (interaktive Kunst?!).

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Sommer beeindruckt mit Schaukästen und himmelslastigen Gemälden. Die menschlichen Bemühungen um Zivilisation und Domestizierung der Umwelt erscheinen winzig angesichts der übermächtigen Natur.

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Weiter geht es über das zugige Gelände, auf dem der Wind an diesem Samstagmorgen um die Backsteinmauern pfeift. Die Galerien tragen Namen wie EIGEN + ART und Laden fuer Nichts. Die erste zeigt aktuell die eindringliche Videoinstallation Spirits closing their eyes von Nina Fischer und Maroan el Sanie. Sie thematisiert das Leben in Japan nach dem 11. März 2011 und fokussiert dabei auf die Veränderungen im Alltag der Menschen. Das Meeresrauschen am Strand von Mihama Beach mit dem bedrohlichen Atomkraftwerk im Hintergrund spricht für sich.

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Die Ausstellung Neurotransmitter von Fabian Fobbe beeindruckte mich Wortmenschen vor allem durch die Titelwahl: Das zweite von rechts heißt zum Beispiel Magen-Darm-Yoga. Die Aufnahme von Laktoseintoleranz ist leider nichts geworden …

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Inmitten ihrer Kreationen trifft man Künstler in ihren Ateliers, zu denen lange, dunkle Flure führen. Es riecht nach Schule und Farbe. Manchmal verwischen auf diesen Wegen die Grenzen und der Kunstsuchende fragt sich: Wo fängt es an?

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Neben Gemälden, Skulpturen und Installationen sind Drucke sehr präsent. Hier kann man sogar beim Entstehen der alten Handwerkskunst zusehen.

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Langeweile war mein Mentor. Es sind nicht zuletzt die kleinen Impressionen, die den Rundgang spannend machen.

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Übrigens sind alle genannten Ausstellungen (und viele mehr) zu den üblichen Galeriezeiten weiter zu sehen.

Bloggertrend: Wandern für Schreibtischtäter(innen)

September29

Frau Kaltmamsell in München fragt nach Wandervorschlägen und  Herr Buddenbohm erwandert sogar das Hamburger Flachland. Grund genug, hier ein paar Lieblingstouren für Wanderausflüge vorzustellen.

Als ich vor einigen Jahren aus dem Westfälischen nach Süddeutschland gezogen bin, wäre ich nie auf die Idee gekommen, meine Streifzüge durch die Natur “wandern” zu nennen. Im Gegenteil galt es, den Begriff als gefühlte Frührentner-Freizeitaktivität unbedingt zu vermeiden. Umso größer meine Verwunderung, als ich in der damaligen Agentur einen ersten Schwarzwaldausflug vom Wochenende schilderte und die sechzehnjährige Auszubildende kommentierte: “Ach, du warst wandern! Mach ich auch gern.” Da standen mir wohl mehr Fragezeichen im Gesicht als im Text, der gerade zur Korrektur auf dem Schreibtisch lag.

Den Kulturschock überwand ich jedoch schnell und lernte, dass Wandern nicht notwendigerweise schwere Bergstiefel, ebensolche Rucksäcke und die Alpen voraussetzt. Hier gilt mehr als eine halbe Stunde spazieren als wandern, insbesondere wenn es mit einem Ziel und Proviant verbunden ist, von Nordic- Walking-Stöcke ganz abgesehen.

Mittlerweile hat aber wohl eine generell größere Begeisterung fürs Wandern viele Altersgruppen ergriffen bzw. das Reisemarketing den Wandermarkt für sich entdeckt. Ich dürfte in die Zielgruppe “Genusswanderer” fallen, sprich: Die Aussicht muss schön und die Fortbewegung angenehm sein; Schmerzgrenzen dürfen andere überwinden.

Nun aber mal konkret:

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Von München aus ist die Bodenseeregion per Zug leicht erreichbar. Der See lässt sich gut mit der schottischen Methode der “3 B” umrunden, das heißt abwechselnd mit “bike, boat and boot”. Die Radwege sind hervorragend ausgebaut, der Schiffsverkehr länderübergreifend und mindestens die netten Städtchen am Ufer erkundet man ohnehin am besten per pedes.

Lindau lockt dabei übrigens nicht nur mit pittoresker Quasi-Insellage, sondern auch mit der gefühlt höchsten Buchhandlungsdichte pro Altstadtquadratmeter. Im Angebot sind übrigens vor allem Regionalkrimis.

Sollte es Frau Kaltmamsell mal wieder in die Region um Freiburg ziehen, bieten sich selbstredend klassische Schwarzwaldtouren an. Allein der Feldberg (1493 m) umfasst ein enormes Wandergebiet.

Ohne größere Anstrengung wandert man dagegen quasi direkt von Freiburg aus auf dem Bettlerpfad durchs Hexental. (Hier ein bisschen verschwommen, da der Sonne entgegengelaufen.)

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Ein einladende Etappe führt ins Fauststädtchen Staufen, wo sich im roten Gasthaus Löwen die Originalvorlage von Goethes Faust bei einem Alchimistenexperiment in die Luft gejagt haben soll. Der Rauch ist verpufft, geblieben ist die Idylle:

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Von dort lassen sich noch herrliche Abstecher ins nahe Münstertal unternehmen, wo Kuhglockenklänge die Luft erfüllen.

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Höhepunkt und weiteres Wanderziel am Ende des Münstertals bildet der Belchen (1414 m), der mit dem Schweizer und dem Elsässer Belchen in einer bemerkenswerten geologischen Dreiecksbeziehung steht.

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Meine persönliche Entdeckung der jüngsten Zeit ist darüber hinaus das Berner Oberland, vorzugsweise mit Thun als Ausgangspunkt. Für ein Wochenende lohnt sich das auch von München aus. Eisbedeckt grüßen Eiger, Mönch und Jungfrau und selbst wenn sich das Dreigestirn lieber in Nebel hüllt, bieten die näheren Bergmassive einen gewaltigen Rahmen für den weitläufigen Thuner See.

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Die Präsenz der Berner Alpen spürt man auf einer Bergwanderung natürlich deutlicher, wobei die Gipfel auch mit dem gut ausgebauten (Seil-)Bahnen, Gondel- und Zahnradbahnsystem erreichbar sind. Aber wie gesagt ist der Blick von unten nach oben allemal beeindruckend.  So führt am Thuner See ein abwechslungsreicher Uferweg entlang, den ich nur empfehlen kann. Vom Bahnhof gehts zunächst neben dem Schifffahrtskanal bis zum Schloss Schadau und weiter zum Strandbad Thun, einem der schönsten Panoramabädern der Schweiz. Wer nicht zum Schwimmen bleibt, kann den Uferweg noch über mehrere Etappen fortsetzen. Viel Spaß beim Wandern!

Alma

Januar9

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